history

Geschichte

Der heilige Boden, auf dem sich unsere Katzen bewegen, wurde einst schon von einem anderen Römer begangen – Julius Cäsar. Es passierte genau hier am Torre Argentina, dass im Jahr 44 v.Chr. einer der erhabensten Diktatoren von seinem Rivalen Brutus erstochen wurde.

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Mehr als 2000 Jahre sind seit dem vergangen, aber der Geist Cäsar’s lebt noch immer weiter in so manch einer unserer vornehmen Katzen, die ihre Tempel voller Stolz beherrschen.

Die „gattare“

Im Jahr 1929 wurde der Heilige Bezirk am Torre Argentina ausgegraben. Gleichzeitig damit begann die Geschichte der Katzen. Straßenkatzen und ausgesetzte Tiere fanden Zuflucht in der geschützten Zone unterhalb des Straßenniveaus. Von 1929 bis 1993 wurden die Katzen mehr oder weniger regelmäßig von einer Reihe verschiedener Katzendamen, oder wie sie auch von den Römern herablassend als „gattare“ bezeichnet werden, gefüttert.

Ein Filmstar

Eine der berühmtesten Katzenliebhaberinnen (wir bevorzugen diesen Ausdruck) war die großartige italienische Schauspielerin Anna Magnani. Während sie am Theater „Teatro Argentina“, welches direkt an das Gelände anschließt, schauspielerte, verbrachte Magnani ihre Spielpausen mit dem Füttern ihrer vierbeinigen Freunde. Die Filmlegende, die bekannt für ihre herzzerreißenden Auftritte war, starb in den 60er Jahren.

Lia und Silvia ...

Lia und Silvia begannen ihre Zusammenarbeit mit den Katzen im Jahr 1993, als sie anfingen, einer Dame zu helfen, die ganz allein auf sich gestellt die Katzen fütterte und auf eigene Kosten kastrierte. Doch all ihre Bemühungen brachten sie an den Rand ihrer finanziellen und emotionalen Kräfte. Schon bald haben Lia und Silvia erkannt, daß es weitaus mehr Arbeit zu tun gab, als sie zu dritt schaffen konnten. In jenem Jahr lag die Zahl der Katzen bei ungefähr 90 Tieren und erhöhte sich ständig, wenn verantwortungslose Menschen ihre Katzen einfach vor den Ferien zurückließen oder ihre Katzen oder kleine Kätzchen bei uns aussetzten.

Das unterirdische Asyl

Die Bedingungen, unter denen sie arbeiteten, waren ganz einfach gesagt sehr primitiv. Unterhalb der Straße ist von der Stadt Rom ungewollt eine Höhle freigelegt worden. Dieser Raum war ca. 100m² groß und sie begannen ihn wie eine Zufluchtsstätte bei Nacht für die Katzen zu nutzen oder aber als Lagerstätte für das Futter. Man kann sich kaum vorstellen, wie schwierig und frustrierend die Arbeit war. Sie kümmerten sich um mehr als 90 Katzen in einem feuchten unterirdischen Raum, welcher an vielen Stellen zu niedrig ist, um aufrecht zu stehen und das alles ohne Strom und fließendes Wasser. über eineinhalb Jahre arbeiteten sie auf diese Weise und hofften darauf, dass ein Wunder geschieht oder ihnen jemand aus dieser schweren Zeit heraus hilft.

AISPA 1995

Die Gebete wurden 1995 erhört, als ihr Retter, eine englische Dame namens Molga Salvalaggio, ins Asyl kam. Sie erzählte von den unglaublichen Errungenschaften einiger englischer Organisationen, die auf dem Tierschutzgebiet zusammenarbeiteten und brachte Lia und Silvia in Kontakt mit A.I.S.P.A. (Anglo-Italien Society for the Protection of Animals). A.I.S.P.A. war die erste Organisation, die sie materiell sowie moralisch unterstützte. Sie zeigten wie man in England den Katzen hilft und somit viele bestehende Probleme in Rom lösen konnte. Intensiv studierten sie die Hinweise und Informationen und versuchten, dem englischen Beispiel zu folgen.

Vereinte Nationen für Katzen

Als erstes war es dringend nötige Sponsoren zu beschaffen. Der primitive Aufenthaltsort hatte aber einen großen Vorteil; nämlich den, dass es aufgrund der historischen und archäologischen Bedeutung der Ruinen eine Touristenattraktion ist. Mühsam schluckten die beiden ihren Stolz und ihre Verlegenheit herunter und begannen Touristen anzusprechen, die sich scheinbar mehr für die Katzen als für die Ruinen interessierten. Kaum zu glauben, aber es funktionierte! Sie sammelten nicht nur das dringend benötigte Geld ein, sondern schafften es auch eine beachtliche Anzahl an freiwilligen Helfern zu gewinnen; meist Frauen aus den unterschiedlichsten Ländern wie Italien, Frankreich, Deutschland, Amerika, England, Brasilien und Holland. Sie wurden zu einer Art Vereinte Nationen für Katzen. Um mehr Geld aufzutreiben wurden Wohltätigkeitsabende organisiert, Lose für eine Tombola verkauft und Flohmärkte veranstatet.

1998

Im September 1998 luden ein Kapitän der U.S. Navy, John Henriksen zusammen mit seiner äußerst großzügigen Ehefrau Cheryl, ca. 120 Gäste in ihr Haus ein zum Dinner, einschließlich einer Versteigerung und einer Tombola. Später dann erlaubte Alexandra Richardson, Ehefrau eines britischen Diplomaten, eine Wohltätigkeitsveranstaltung in ihrem Wohnsitz durchzuführen. Damit traten die Katzen vom Torre Argentina in die Welt der internationalen Diplomatie!

Ein neuer Ansturm der Begeisterung

Mit dem neu gewonnenen Einkommen war es nun möglich, die Qualität des Katzenfutters zu verbessern. Der neue Ansturm der Begeisterung motivierte Silvia, Lia und die anderen Helfer, die tägliche Arbeit viel professioneller und besser organisiert zu erledigen. Nachdem alle Katzen am Torre Argentina gefüttert, sterilisiert und medizinisch versorgt sind, verteilten sie ihre Einnahmen auch auf die ärmeren Katzenkolonien in Rom, wobei die Kastration aller Tiere Priorität hat.

Das Ansehen wächst: 1999-2004

Nelson, ein einäugiger Kater vom Torre Argentina wurde zur Hauptfigur in einem preisgekrönten Buch einer Helferin, Deborah D’Alessandro. Er wurde 1999 veröffentlicht und wurde schon bald zum Bestseller im Katzenasyl, da es auf die Notlage der ausgesetzten Katzen aufmerksam machte. Etwa zur gleichen Zeit veröffentlichte Barbara Palmer ihr “Cat Tales”: beide Bücher haben zum wachsenden Ruf des Tierheims beigetragen.

Im Jahr 2000 begann für das Katzenasyl eine neue Ära als uns nämlich eine homepage geschenkt wurde, die für internationale Werbung sorgte, www.romancats.com, die kreiert wurde von niederländischen Tierrettern und professionalen Web-Designern Micha Postma und Christiaan Schipper. An der Heimatfront, im Jahr 2001, wurden die Katzen von Rom durch eine spezielle Proklamation des Stadtrates zum “Bio-Kulturerbe” erklärt. Die Dinge bewegten sich in die richtige Richtung: mit dem Wachsen des Katzenasyls, wuchs auch das Bewusstsein um das Leid der Straßentiere und ihr Bedürfnis nach Schutz. Die Zeit war reif für eine öffentliche Erklärung: im Jahr 2003 war Torre Argentina eingebunden in die Organisation eines Demonstrationszuges, Cat Pride, welcher mehrere Tausend Teilnehmer hatte, die Schutz und Finanzierung für die römischen Straßentiere forderten. In 2004 dann wurde die DVD “Cats of Rome” von Michael Hunt produziert und hat zur Verbreitung unserer Arbeit und unserer Ziele gesorgt.

Kastrationen

Torre Argentina wurde immer professioneller und das Aufzeichnen unserer Daten wurde im Jahr 2001 zur Routine: Graphiken zeigen die Aufwärtsentwicklung der Kastrationen seit diesem Jahr, als 850 Katzen kastriert wurden. Im Jahr 2008 erreichten wir mit 4105 Kastrationen den ersten Rekord. Die weltweite Wirtschaftskrise hatte ebenfalls Auswirkungen auf die finanzielle Lage im Katzenasyl und spiegelte sich wieder in dem enttäuschenden Ergebnis von 2908 Kastrationen im Jahr 2009, da die Spenden nicht ausreichten. Dadurch wuchs unsere Motivation jedoch um so mehr und das TNR-Programm wurde wieder aufgegriffen und im Jahr 2014 konnte Torre Argentina stolz die Kastration von 4362 Straßenkatzen verkünden.

Verbesserungen

Zwischen 2003 und 2010 konnten kleine und größere Verbesserungen den Wachstum und die Notwendigkeit der Effizienz im Katzenasyl. Ein Fliesboden wurde gelegt und ersetzte den Zementboden, da er nie trocken wurde und außerdem trug die Installation einer Heizung und der Klimaanlage zur Verbesserung der Lebensqualität der Katzen und der Menschen bei. Die Einführung eines Workflow-Management-Systems in 2006 machte die Büroarbeit effizienter und das Aufzeichnen der Daten einfacher. Die neueste Errungenschaft war im Jahr 2015, als wir unseren eigenen Kalender begannen zu produzieren mit Fotos unserer Katzen.

Gesündere Katzen

Im Laufe der Jahre haben zusätzliche Spenden es uns erlaubt, Impfungen zu geben, die Kätzchen auf FIV und FeLV zu testen, ebenso wie Medikamente für chronisch kranke Tiere zu geben, was wesentlich zur Verbesserung der Gesundheit unserer festansässigen Katzen geführt hat. Ein Pflegeprogramm für Kätzchen wurde in 2004 eingeführt und schützt die Kleinen vor lebensbedrohlichen Infektionen im Asyl.

Die drohende Zwangsräumung

Obwohl Torre Argentina immer mit der Bedrohung einer Zwangsräumung lebte, hatte es die stillschweigende Toleranz der lokalen Behörden, Roms archäologischer Abteilung und der Bürgermeister seit mehr als 2 Jahrzehnten. Aber dann im Jahr 2012, nachdem die Nationale Archäologische Abteilung einklagte, dass das Katzenasyl in den Tempel eingedrungen und somit die Würde der Tempelanlage beleidigt hatte, kam es zu einer Konfrontation. Die archäologischen Behörden starteten eine Kampagne über die nationalen Zeitungen und versuchten, die öffentliche Meinung gegen das Katzenasyl zu drehen, hätten aber nie erwartet, dass eine Petition zugunsten Torre Argentina’s mit über 30000 Unterschriften gestartet wurde. Das Ergebnis war, dass einige Politiker anfingen, das Asyl zu verteidigen und einen Plan des Kompromisses und der Zusammenarbeit vorschlugen. Der einzige Aufwand bisher war die Feier der Iden des März 2015, als Torre Argentina zur Teilnahme eingeladen wurde und auf dem Flyer anerkannt wurde, der das Event ankündigte. Andere Dinge haben sich nicht verändert, die Freiwilligen sind noch immer Hausbesetzer und das Asyl ist noch immer nicht an das städtische Abwassersystem angeschlossen.

Lia

Der größte Rückschlag für das Katzenasyl, der alle Helfer trauern ließ, war der Verlust einer der beiden Gründerinnen, Lia Dequel. Die sehr bewegende Hommage an sie von ihrer Freundin und Mitgründerin Silvia, sagt alles. Kein Tag vergeht, ohne dass jemand Lia erwähnt, sie ist noch immer präsent auf verschiedene Art und Weise und bleibt eine Quelle der Inspiration und Motivation.

Die Arbeit geht weiter

Wirtschaftliche Krisen, lokale politische Machtkämpfe und vor Kurzem auch die Angst vor Terrorismus, haben ihre Auswirkungen auf unsere Arbeit und unsere Bemühungen, Spenden zu sammeln, gezeigt, aber trotz dieser und vieler anderer Rückschläge, die wir in den letzten 23 Jahren erlitten haben, sind wir noch immer hier und wollen bleiben. Wir schulden es den Katzen und den Unterstützern auf der ganzen Welt, ohne sie, wäre all das oben Beschriebene, nicht möglich gewesen. Wir schulden es auch uns selbst, weil wir glauben, dass wir einen Unterschied machen und die Welt zu einem besseren Ort für Katzen und machen können….

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